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Es ist Miranda, liebe Leserin, lieber Leser, in Shakespeares «Sturm», der wir den staunenden Jubelruf verdanken «O brave new world!». Ihre Bewunderung gilt, je nach Übersetzer, der «prächtigen», der «wackeren», der «schönen neuen Welt» – womit sie allerdings die Alte Welt meint, die ihr auf Prosperos Insel unvermutet vor Augen tritt, in Gestalt des schiffbrüchigen Königs von Neapel und seines Ratsherrn. Weshalb sie von Prospero auch sachlich korrigiert wird: «Dir ist sie neu.» Mirandas Ausruf hat Karriere gemacht – in aller Missverständlichkeit und mit Blicktäuschungen in beide Richtungen. Aldous Huxleys Roman «Brave New World» von 1932 ist die klassische negative Utopie, ihr Titel-Zitat nur sarkastisch gemeint – als Zivilisationskritik der Alten Welt an der Neuen, als grimmige Vision einer durchamerikanisierten und zwangsbeglückten Zukunft. Donald Rumsfelds Invektive gegen das «Alte Europa» ist für Literaturen keineswegs der Anlass, sondern allenfalls der Auslöser, um sich der «Schönen Alten Welt» zuzuwenden – mit Mirandas Enthusiasmus, aber Prosperos Nüchternheit. Und mit Europa-Texten von vierzehn Autoren beiderseits des Atlantik. Auch das Literaturen-Special, das diesem Doppelheft beiliegt, ist den wechselseitigen Spiegelungen von Alter und Neuer Welt gewidmet – dem Roman «Handbuch für einen russischen Debütanten» von dem russisch-jüdisch-amerikanischen Autor Gary Shteyngart. Einen anregenden Lesesommer wünscht Ihre ferienfrohe Literaturen-Redaktion
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