Suche 
 
 
Ausgabe 07/08.03
Übersicht Ausgabe 07/08.2003
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt
Europa
Schöne alte Welt


Das Kriminal
Richtiges Leben in Finnland
Franz Schuh über den neuen Biedersinn in Kriminalromanen


Bücher des Monats
Frauke Meyer-Gosau
Virginia Woolf: Tagebücher 4, 1931–1935
Andreas Eckert
Nicolas Berg: Der Holocaust und die westdeutschen Historiker
Helmut Böttiger
Reinhard Jirgl: Die Unvollendeten
Manuela Reichart
Renate Berger: Rodolfo Valentino

Hans-Peter Kunisch
António Lobo Antunes: Einblick in die Hölle
Christian Geulen
Étienne Balibar: Sind wir Bürger Europas?


Portrait
Wolfgang Schneider
Das sadistische Universum
Eine literarische Entdeckung, die überfällig ist: Der Niederländer Willem Frederik Hermans


Brainspotting
Michael Hagner
Millionen Zellen sagen «Ich»
Unser Gehirn, das rätselhafte Organ. Über die neuesten Trends der Forschung


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Gerhard Seyfried || Isabelle Graw || Nicholas Drayson || Ingeborg Walter || Amos Elon || Frank Stern || Marion Kaplan (Hg.) || Nick Hornby || Nicolaus Sombart || Wilhelm Genazino || Paolo Prodi || Daniel Litvin || Anne Atik || Clemens Jabloner (Hg.)
Bildbände von Henri Cartier-Bresson || Kyoto Costume Institute || Albertina Wien || Lance Dane und Andrea Pinkney || Karl LangHöfer


Portrait
Manuela Reichart
Herrenhäuser, Lebenslügen
Eine Liebeserklärung an die irische Autorin Elizabeth Bowen


Weiße Elefanten

Ganz große Gefühle
Über die Probleme von Teenagern und das Leben der Ulrike Meinhof


Mensch und Insel
Willi Winkler
Ein Traum, leider ausgeträumt
Paradies und Gegenwelt, Touristenfalle und Gefängnis: Eine Fahrt durch literarische Inselwelten


Die Beiseite
Honi soit qui mal y pense
Richard David Precht über die Schelmenstücke des Durs Grünbein


Kurz & bündig
Bücher von Friedemann Bedürftig || Daniel Duane || Lojze Wieser (Hg.) || Annie Proulx || Birthe Kundrus (Hg.) || Helmut Krausser || Bernd-M. Beyer
Bildbände von Günther Holler-Schuster (Hg.) || Michael Wolf


Das Magazin

Mitten aus Paris || Kalender || Jetzt als Taschenbuch || Literatur im Kino || Leserbriefe || Geist & Geld || Hörbücher || Was liest Jens Sparschuh? || Netzkarte


Impressum

Vorschau, P.S., Register
Editorial
Es ist Miranda, liebe Leserin, lieber Leser,

in Shakespeares «Sturm», der wir den staunenden Jubelruf verdanken «O brave new world!».

Ihre Bewunderung gilt, je nach Übersetzer, der «prächtigen», der «wackeren», der «schönen neuen Welt» – womit sie allerdings die Alte Welt meint, die ihr auf Prosperos Insel unvermutet vor Augen tritt, in Gestalt des schiffbrüchigen Königs von Neapel und seines Ratsherrn. Weshalb sie von Prospero auch sachlich korrigiert wird: «Dir ist sie neu.»

Mirandas Ausruf hat Karriere gemacht – in aller Missverständlichkeit und mit Blicktäuschungen in beide Richtungen. Aldous Huxleys Roman «Brave New World» von 1932 ist die klassische negative Utopie, ihr Titel-Zitat nur sarkastisch gemeint – als Zivilisationskritik der Alten Welt an der Neuen, als grimmige Vision einer durchamerikanisierten und zwangsbeglückten Zukunft.

Donald Rumsfelds Invektive gegen das «Alte Europa» ist für Literaturen keineswegs der Anlass, sondern allenfalls der Auslöser, um sich der «Schönen Alten Welt» zuzuwenden – mit Mirandas Enthusiasmus, aber Prosperos Nüchternheit. Und mit Europa-Texten von vierzehn Autoren beiderseits des Atlantik.

Auch das Literaturen-Special, das diesem Doppelheft beiliegt, ist den wechselseitigen Spiegelungen von Alter und Neuer Welt gewidmet – dem Roman «Handbuch für einen russischen Debütanten» von dem russisch-jüdisch-amerikanischen Autor Gary Shteyngart.

Einen anregenden Lesesommer wünscht
Ihre ferienfrohe Literaturen-Redaktion
Schwerpunkt - Europa
Schöne alte Welt
Von Jonathan Franzen

Der Streit um den Irak-Krieg hat Europa zugleich entzweit und näher zusammenrücken lassen. Am Vorabend der EU-Erweiterung sucht sich das «winzige Vorgebirge Asiens» (Paul Valéry) seiner Grenzen, aber auch seiner historischen Identität zu vergewissern.

Dazu gehören unvermeidlich auch die Schrecken des 20. Jahrhunderts.
Schriftsteller vor allem Mittel- und Osteuropas erzählen sie neu – um sie vor dem Vergessen zu bewahren? Oder um die Erinnerung zu versiegeln? Literaturen zeichnet diesen Selbstfindungsprozess auf mehreren Ebenen nach.

Während Gustav Seibt eine politische Ortsbestimmung des Kontinents zwischen Amerika und dem Islam unternimmt und Jürgen Zimmerer die neuen Europa-Definitionen der Historiker vorführt, verfolgen Sigrid Löffler und Michael Rohrwasser, wie in Romanen und Erzählungen aus Deutschland, Polen, Ungarn oder Tschechien die jüngste Geschichte Europas thematisiert wird – wie unterschiedlich und wie ähnlich. Dem Glanz des alten Kontinents huldigt Karl Schlögel aus Anlass der Berliner Europa-Ausstellung. Stefanie Peter erinnert an den großen jüdisch-europäischen Maler und Autor Bruno Schulz und damit auch daran, wie sehr der Holocaust diesen Kontinent geprägt hat – als negativer Gründungsmythos des vereinten Europa. Den Blick in die Gegenwart und in die Zukunft öffnen vierzehn Schriftsteller und Wissenschaftler aus der Alten und der Neuen Welt. Sie geben ganz unterschiedliche und eigensinnige Antworten auf die Literaturen-Frage «Was bedeutet Ihnen Europa?»

Die Bilder dieses Schwerpunkts stammen von dem Fotografen Edgar Zippel. Auf seinen Kreuz- und Querfahrten durch Europa hat er ungewohnte Ansichten des Kontinents und seiner Menschen gesammelt. Man findet sie auch in seinen Fotobänden über das Ruhrgebiet, über Masuren und Mailand
Ausgabe 07./ 08.2003
Ausgabe 07/08.03
Europa - Schöne alte Welt
Heft bestellen

[X] Schliessen
kultiversum
Literaturen ist umgezogen - auf die neue Kulturplattform kultiversum.de. Dort finden Sie alle aktuellen Inhalte: www.kultiversum.de/Literaturen

Sie möchten Literaturen kostenlos kennenlernen, ein Abonnement oder ein Heft bestellen? http://www.kultiversum.de/shop.html

Auf www.literaturen.de finden Sie auch weiterhin die Inhalte der vergangenen Jahre.