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Ausgabe 05.04
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt
Ab die Post. Grosse Briefwechsel
Wenn zwei sich schreiben, freut sich der Dritte:
Wie man bedeutende Persönlichkeiten in ihrer Korrespondenz neu kennen lernen kann.
Mit Beiträgen von Manfred Schneider, Sigrid Löffler, Richard David Precht und Frauke-Meyer-Gosau


Das Kriminal
Olympische Dörfer

Franz Schuh folgt einem griechischen Kommissar durch das Verkehrschaos von Athen


Bücher des Monats

Erdmut Wizisla
Hannah Arendt / Uwe Johnson: Briefwechsel
Paul Nolte
Richard J. Evans: Das Dritte Reich, Bd. 1: Aufstieg
Julia Encke
Philipp Sarasin: «Anthrax»
Ralph Dutli
Niklas Holzberg: Applaus für Venus
Andreas Eckert
Robert Harms: Das Sklavenschiff
Moritz Bassler
Adam Thirlwell: Strategie


Freundesbriefe
Reinbert Tabbert
Tanti saluti cordiali.
Max W. G. Sebald, der Erz-Melancholiker unter den Autoren, war privat ein witziger Briefschreiber � was drei bislang unveröffentlichte Briefe an einen Studienfreund belegen


Portrait
Dieter Thomä
Aus dem Leben eines Sonderlings
Auf der Suche nach Ursprünglichkeit:
Was der dänische Philosoph Søren Kierkegaard dem modernen Individuum zu sagen hat


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Hans Fallada und Uli Ditzen || Herta Müller || J. Revell Carr || Joseph E. Stiglitz || Colson Whitehead || Charlotte Wolff || Christa Wolf und Charlotte Wolff || Norman M. Naimark || Micah Ian Wright || Wolfgang Maderthaner und Michaela Maier (Hg.)
Bildbände von Bettina Rheims || Paul Starosta || Gerhard Launer


Die Beiseite
Knechtmeiers Luftkrieg
Richard David Precht überlegt, wie sehr ein guter Roman auf Tatsachen basieren muss


Verlagsgeschichten
Wolfgang Schneider
Männer machen Bücher
Ullstein, Piper, Wagenbach, Diogenes, Reclam, Volk und Welt: Die Unternehmensgeschichte als Familien-Saga


Briefkunst

Wolfgang Kemp
«Waschlappig schön»
Der Künstler Horst Janssen erweist sich in seinen Briefen an die Geliebte Gesche Tietjens als unterwürfiger Mann und Miterfinder der Mail-Art


Weisse Elefanten
Gehirne von Toten manipulieren, die Welt durch Baseball retten
Was Fantasy-Romane für Kinder mittlerweile alles bieten - von zynischer Klischeeschreiberei bis zur außergewöhnlichen Abenteuergeschichte


Kurz & bündig
Bücher von Louise Welsh || Viola Roggenkamp || Burkhard Röwekamp || Bernhard Kathan || Jonathan Carroll || Klaus-Peter Matschke || Frank Goosen
Bildbände von David Douglas Duncan || Lothar Schirmer (Hg.)


Das Magazin
Mitten aus London || Kalender || Jetzt als Taschenbuch || Leserbriefe || Hörbücher || Literatur im Kino || Was liest Norbert Bolz?


Impressum

Vorschau, P.S., Register

Editorial
Editorial 05.2004 Bedauern Sie es auch, liebe Leserin, lieber Leser,

dass das Briefschreiben im Zeitalter von E-Mail und SMS offenbar etwas aus der Mode kommt? Natürlich herrscht kein Mangel an Amtspost oder Geschäftsbriefen, die den Briefkasten verstopfen, von Trash-Mail ganz zu schweigen. Auch Anthrax- oder Bombenbriefe gehören leider zu den Korrespondenz-Formen der Zeit. All dies hat aber nichts mit dem zu tun, was man einmal unter Briefschreiben verstanden hat.

Der großen Briefkultur widmet Literaturen dieses Heft � vom Briefwechsel Voltaires mit Friedrich II. bis zu dem Benito Mussolinis mit Engelbert Dollfuß, von den Briefen, die Hannah Arendt und Uwe Johnson, Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze, F. Scott und Zelda Fitzgerald wechselten, bis zur Korrespondenz zwischen Christa Wolf und Charlotte Wolff oder zwischen Hans Fallada und seinem Sohn Uli Ditzen. Und wie aus Briefen Mail-Art wird, zeigen die Episteln, die der Künstler Horst Janssen an seine Geliebte Gesche Tietjens richtete.

So offenbart sich noch einmal die ganze Spannweite der literarischen Gattung «Brief». Die umfasst private Herzensergießungen, abgründige Beziehungsarbeit und freundschaftlich-vertraulichen Austausch nicht nur von Gedanken, sondern auch von alltäglichen Trivia; sie reicht bis zum durchstilisierten literarisch-politischen Gipfeltreffen, wie es der preußische König und der französische Philosoph für die Nachwelt vorexerzierten.

Literaturen präsentiert darüber hinaus einen besonderen Fund: Briefe des jungen W. G. Sebald an seinen Studienfreund Reinbert Tabbert, die hier erstmals publiziert werden. Sebald gilt als der Erzmelancholiker unter den Schriftstellern. Seine Jugendbriefe aus den späten sechziger und frühen siebziger Jahren zeigen ihn von einer anderen, unbekannten Seite � als witzigen Sprachspieler und spottlustigen Ironiker.

Dass es mit der Briefkultur einfach nicht zu Ende gehen kann, glaubt nach solcher Lektüre umso mehr.

Ihre Literaturen-Redaktion
Abbildung: Rowohlttos
Schwerpunkt - Ab die Post: Große Briefwechsel
Schwerpunkt 05.2004 Künftige Forscher werden sie vermissen � die eifrigen, mitteilsamen Briefschreiber, deren Korrespondenzen unerschöpfliche Fundgruben für die Nachwelt darstellen: Rohstoff für Biografen, Materiallager für Alltagshistoriker, Denkdepots für Geisteswissenschaftler und oft einfach ein schieres Lesevergnügen für neugierige Nachgeborene. Im Zeitalter von Telefon, E-Mail und SMS gerät der Brief in Gefahr, als Kulturtechnik zu versinken. Umso eindrucksvoller die bedeutenden Briefwechsel, die derzeit in die Buchläden kommen. Sie alle missachten aufs Lebendigste die lateinische Herkunft des Wortes Brief, die � in breve � mit Kürze zu tun hat, und gewähren Einblick in manch lust- oder auch angstvoll mäandernde Beziehungs-geschichte. Das Ehepaar F. Scott und Zelda Fitzgerald offenbart in seinen Briefen das private Elend hinter den glitzernden «Roaring Twenties». Der Briefwechsel zwischen Voltaire und Friedrich dem Grossen ist auch als Wettstreit der Eitelkeiten lesbar. Ein erster Blick in die Korrespondenz zwischen Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze, die im September erscheinen wird, zeigt die glückliche Verflechtung von privater Zuneigung und Künstler-Freundschaft. Und einleitend in all diese Postgeheimnisse schreibt der Bochumer Medienwissenschaftler Manfred Schneider eine kurze Literaturgeschichte des Briefs vom Apostel Paulus bis zur Generation SMS
Ausgabe 05.2004
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Ab die Post - Große Briefwecksel
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