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Ausgabe 09.04
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt
Novitäten aus dem Hause Eco: der fünfte Roman und ein Bildband über die Schönheit.
Henning Klüver und Sigrid Löffler Apocalypso aus Sprache und Zeichen In seinem neuen Roman wechselt Umberto Eco das Genre und bleibt sich trotzdem treu. Besuch bei einem Büchernarren 6 || Manfred Schneider Der Bibliotheksphantast Souveränität und Ironie, Anschaulichkeit, Gelehrsamkeit und Witz. Ein Portrait des Semiologen Umberto Eco 14 || Claudia Schmölders Eine Orgie mit Venus und Adonis Auch das noch: Umberto Eco legt eine Geschichte der Schönheit vor, die bei Lichte besehen zu vieles in den Schatten stellt


Amerika vor der Wahl

Bernd Greiner
Die zweite Front
Gegen die Bush-Regierung wettern nun auch Kritiker aus den eigenen Reihen: Vertreter des konservativen Amerika, die sich als Hüter republikanischer Werte sehen


Das Kriminal
Geheime Dienste
Franz Schuh über einen Agentenroman für Hartgesottene


Bücher des Monats
Hanna Leitgeb
Samuel P. Huntington: Who Are We?
Patrick Bahners
Lars Gustafsson: Der Dekan
Balthasar Haussmann
Solomon Wolkow: Stalin und Schostakowitsch
Wilfried F. Schoeller
Carl Zuckmayer/Gottfried Bermann Fischer: Briefwechsel
Wolfgang Schneider
J. M. Coetzee: Elisabeth Costello
Robert DeVille
Edward H. Carr: Romantiker der Revolution


Portrait
Frauke Meyer-Gosau
Böse Erlösung
Ein Nachmittag und Abend mit Terézia Mora in Barcelona � anlässlich des Erscheinens ihres ersten Romans «Alle Tage»


Jubiläum
Jürgen Wertheimer
«O Eduard, was ist aus mir geworden»
Neo-biedermeierliche Nostalgiker entdecken im Werk des Jubilars Eduard Mörike ein Lustobjekt für lyrische Weihestunden. Warum bloß?


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Tahar Ben Jelloun || Thomas Farel Heffernan || William Comstock || Sándor Márai || Norman Davies || Jakob Ejersbo || Heribert Tenschert und Ina Nettekoven (Hg.) || Sibylle Zehle || Eva Rieger || Cathleen Schine || Dieter Stolte Bildbände von Colors Magazine (Hg.) || Andreas Feininger


Die Beiseite
Navid Kermani
Sei glücklich, dass du lebst
oder: Warum das Leben hassenswert ist


Arabische Literatur
Stefan Weidner: Jenseits von Tausendundeiner Nacht
In der modernen arabischen Literatur ist nichts so, wie man es erwartet
Andreas Pflitsch: Die befreiende Macht des Erzählens
Verstörende Bilder aus Palästina und dem Irak: Romane von Elias Khoury und Najem Wali
Hans-Peter Kunisch: Die Hadsch als Wille und Vorstellung
Zweierlei Pilgerfahrt nach Mekka und Medina


Weisse Elefanten
Was ist ein Sternmull?
Und was eine Rotoklaue?

Naturwissenschaftliche Sachbücher zeigen Kindern das Leben in seiner phantastischen Vielfalt


Kurz & Bündig

Bücher von Michael Kleeberg || Sam Shepard || Ernst Peter Fischer || Nathaniel Hawthorne || Jeremy Rifkin || Walter Grasskamp || Adolf Muschg Bildbände von Robert Solé u. a. || Reiner Boller und Julian Lesser


Das Magazin
Mitten aus Moskau || Kalender || Leserbriefe || Netzkarte || Literatur im Kino || Jetzt als Taschenbuch || Was liest Werner Herzog? || Hörbücher


Impressum

Vorschau, P.S., Register
Editorial
Für den 1. Oktober 2004, liebe Leserin, lieber Leser,

plant das ZDF ein Spektakel mit dem Titel «Unsere Besten. Das große Lesen» � eine Art «Deutschland sucht das Superbuch», nur eben öffentlich-rechtlich. Mehr als 160.000 Leserinnen und Leser, so teilt der Sender mit, haben Voten für ihr jeweiliges Lieblingsbuch abgegeben. Auch fundierte Kenner wie Moses Pelham oder Jeanette Biedermann sind darunter. Sie lassen uns wissen, «was Promis beim Lesen aus dem Sofa haut». Welche Bücher das Rennen gemacht haben, wird uns dann der Moderator dieser Gala verkünden, Johannes B. Kerner, wer sonst. Bis dahin gilt strenge Geheimhaltung. «Nur so viel sei verraten», lässt das ZDF verlauten, «dass es besonders die anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur unter die ersten 50 geschafft hat.»

Kursbuch vom September 2004 � die Grosse Entsolidarisierung
Darauf wären wir freilich nie gekommen. Unsere Ungeduld zu erfahren, ob letztlich eher Noah Gordons «Medicus» oder Paulo Coelhos «Alchimist» vorne liegen wird, raubt uns nicht eben den Schlaf. Erheiternd an dem Vorgang ist allerdings der Etikettenschwindel. Wie jeder Lesende weiß, ist das Lieblingsbuch selten identisch mit dem literarisch besten. Das ZDF zielt auf eine massentaugliche Ranking-Show wie schon bei «Die größten Deutschen». Um bloß nicht in die quoten-tötende Nähe eines Bildungsverdachts zu kommen, versichert der Sender ausdrücklich, dass die genannten Bücher rein «den Herzen der Leser entspringen» und «Alibi-Nennungen wie beispielsweise Musils �Mann ohne Eigenschaften� nicht vorne zu finden sind». Gleichzeitig aber möchte das ZDF, wie der Titel verrät, «Unsere Besten» dekretieren und damit ein Fetzchen kanonische Würde usurpieren.

Von solchen Rest-Skrupeln weiß der Rowohlt Verlag sich frei. Der verkündet seine Absicht, die Zeitschrift «Kursbuch» abzustoßen, lapidar mit der Begründung, die Abonnenten-Zahl stimme nicht mehr � die Zeitschrift «scheint das Unternehmen einer Generation gewesen zu sein». Pikanterweise trennt sich der Verlag just in dem Augenblick vom «Kursbuch», da die Republik sich anschickt, dessen Gründer Hans Magnus Enzensberger zum Fünfundsiebzigsten in großem Stil zu feiern. Dass dieser Name keinen ZDF-Promi aus dem Sofa haut, verwundert nicht. Dass Rowohlt die lebendige «Kursbuch»-Tradition nicht mehr zu schätzen weiß, hingegen schon.

Ihre Literaturen-Redaktion

P. S.: Auf Seite 65 finden Sie diesmal wieder «Die Beiseite», die nicht wenige Leser bereits schmerzlich vermisst haben. Geschrieben wird sie von einem neuen Autor, von Navid Kermani, dem in Köln ansässigen deutsch-iranischen Islamwissenschaftler und Schriftsteller, der im Frühjahr den schönen Essayband «Vierzig Leben» vorgelegt hat.

Schwerpunkt - Umberto Eco: Ein Weltautor auf neuen Wegen
Schwerpunkt 09.2004 Novitäten aus dem Hause Eco: der fünfte Roman und ein Bildband über die Schönheit. Vorgestellt von Henning Klüver und Sigrid Löffler, Manfred Schneider und Claudia Schmölders
Henning Klüver und Sigrid Löffler Apocalypso aus Sprache und Zeichen In seinem neuen Roman wechselt Umberto Eco das Genre und bleibt sich trotzdem treu. Besuch bei einem Büchernarren 6 || Manfred Schneider Der Bibliotheksphantast Souveränität und Ironie, Anschaulichkeit, Gelehrsamkeit und Witz. Ein Portrait des Semiologen Umberto Eco 14 || Claudia Schmölders Eine Orgie mit Venus und Adonis Auch das noch: Umberto Eco legt eine Geschichte der Schönheit vor, die bei Lichte besehen zu vieles in den Schatten stell

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