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Ausgabe 10.04
Übersicht Ausgabe 10.2004
Inhalt
Editorial

Schwerpunkt
Das höchste der Gefühle: Literatur über die Liebe.
Mit Beiträgen von Thomas Lehr, Ingeborg Harms, Hanna Leitgeb, Claudia Schmölders, Sibylle Berg, Burkhard Driest und Dieter Thomä

Thomas Lehr
Die Liebe erzählen
Von Uranos & Gaia über Tristan & Isolde bis zu Humbert & Lolita 16 || Ingeborg Harms Nach der Liebe ist vor der Liebe Neue Bücher von Paul Nizon, Martin Walser und David Grossman 24 || Hanna Leitgeb Sandburgen für zwei Kleiner Streifzug durch neuere Sachbücher zum Thema Liebe 30 || Claudia Schmölders Das Wirbeln der Geschlechter Das indische Kamasutra als ein frühes Manifest des Feminismus und der Transsexualität 32 || Burkhard Driest und Dieter Thomä Versunken ins Tun Eine Korrespondenz über das Kamasutra 35 || Sibylle Berg Es ist so gut Liebe mit vierzig. Eine Handreichung 40


Portrait
Sigrid Löffler
Hohepriesterin eines unsichtbaren Volkes
Ein Gespräch mit Toni Morrison in New York über weibliche Komplizenschaft mit den Männern und der Macht, über die Kosten der Bürgerrechtsbewegung und neue Feindbilder


Das Kriminal
Die Leere des Schönen
Franz Schuh verrät, welche Männer auf Frauen wirken


Bücher des Monats
Heinrich Detering
Peter Handke: Don Juan (erzählt von ihm selbst)
Paul Nolte
Francis Fukuyama: Staaten bauen
Willi Winkler
Peter Rühmkorf: TABU II. Tagebücher 1971�72
Gustav Seibt
Joachim Fest: Begegnungen
Verena Auffermann
Brigitte Kronauer: Verlangen nach Musik und Gebirge
Hans Ulrich Gumbrecht
Michail Kalaschnikow: Mein Leben


Portrait
Holger Noltze
Der Treibstoff ist Neugier
Literarische Fahrten im Meer der Verweise. Ein Portrait des Erzählers und Musikers Thomas Meinecke


Die Beiseite
Navid Kermani
Kein Tod in Venedig
Das vielfache Unglück eines Italien-Reisenden


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Dylan Thomas || Cristina Peri Rossi || Roberto Zapperi || Günter Gaus || Carl-Johan Vallgren || Gertrud Leutenegger || George Steiner || Georg Klein Bildbände von Eugene Richards || Robert Polidori || June Newton a.k.a. Alice Springs || Christian Skrein


Weisse Elefanten

Britta Sebens
Die mit dem Schrecken rechnen

Die jüngste Kinderbuch-Mode aus den USA spekuliert auf die Vorlieben infantiler Erwachsener. Eine Warnung


Literatur-Debatte
Julia Schoch
Manifest


Fotografie

Tom Holert
Nur Sound und Wahnsinn
Wer war Jimi Hendrix? Überlegungen zu einem Mythos anlässlich einer Neu-Edition legendärer Fotografien


Kurz & Bündig
Bücher von Robert Schneider || David Quammen || Wolfgang Hagen (Hg.) || Alain de Botton || Carson McCullers || Werner Fuld || Dorothea Dieckmann || Bildbände von Tamara de Lempicka || Willi Moegle


Das Magazin
Mitten aus Paris || Kalender || Geist und Geld || Jetzt als Taschenbuch || Netzkarte || Literatur im Kino || Was liest Ruth Rendell? || Hörbücher


Impressum

Vorschau, P.S., Register
Editorial
Editorial 10.2004 Vor zwei Jahren, liebe Leserin, lieber Leser,

musste Bertelsmann/Random House eine peinliche Schlappe hinnehmen. Die deutschsprachigen Rechte an Bill Clintons damals noch ungeschriebenen Memoiren wurden dem Konzern vor der Nase weggeschnappt � von Christian Strasser, dem gefürchteten Freibeuter und Herrn über die Verlagsgruppe HEUL (Heyne, Econ, Ullstein, List). Die Vorschuss-Summe habe an die zwei Millionen Dollar betragen, raunte die Branche mit fasziniertem Grausen.

Heute ist die HEUL-Gruppe zerschlagen und aufgeteilt, Strasser ist Privatier, und nun obliegt es dem Hause Ullstein, aus Clintons «Mein Leben» einen Mega-Bestseller zu machen, um Strassers Super-Vorschuss wieder einzuspielen. Der Verlag entfachte zu Sommeranfang denn auch einen Werbe-Wirbel, wie er größer nicht hätte sein können. Bill Clinton wurde eingeflogen und absolvierte die große Reklame-Tour zwischen Buchkaufhäusern, Signierstunden und Sabine Christiansen. Der «Spiegel» spendierte ein Cover plus Vorabdruck. Etwa eine Woche lang war das Buch in aller Munde. Aber es hat nicht gereicht. Im Handel hat das Buch den Sommer nicht überlebt.

Woran liegt�s? Am irrwitzigen Marketing, das nur noch auf Plötzlichkeit, statt auf Nachhaltigkeit, setzt. Denn: je explosiver der Medien-Hype für ein Buch, desto schneller ist er auch verpufft. Heute der heiße Buch-Tipp und vom Handel hysterisch geordert, morgen in toto an den Verlag remittiert und übermorgen verramscht.

Ob die Buchbranche irgendwann einsieht, dass sie mit ihrer rasenden Selbstbeschleunigung Bücher à la longue nicht verkauft, sondern kaputtmacht? Bücher sind ihrem Wesen nach keine Events. Sie brauchen Zeit, um gelesen und verstanden zu werden. Sie brauchen Zeit, um ihre Wirkung, ihr Aroma in den Köpfen zu entfalten, sie brauchen das Gespräch der Kritiker und der Leser untereinander, sie sind auf Dauer gestellt. Nur Nichtbücher für Nichtleser sind kurzlebig wie die Schuhmode des letzten Sommers oder der Pop-Hit der vergangenen Woche. Wenn man nur noch den Erstverkaufstag inszeniert, wird auch das Buch, dem man ein längeres Leben wünschen würde, den zweiten Tag nicht mehr überstehen. Und das wäre doch eigentlich schade.

Ihre Literaturen-Redaktion
Schwerpunkt - Liebe
Schwerpunkt 10.2004 Seit die Menschen einander Geschichten erzählen, geht es darin um die Liebe: die göttliche, die menschliche, die erotische, die platonische, die romantische, die moderne, die vergebliche, die glückliche. Die Liebe und ihre Hindernisse, die Liebe und ihre Folgen � Grundstoff der Dichter und Philosophen seit jeher. Im Literaturen-Schwerpunkt navigiert der Schriftsteller Thomas Lehr durch drei Jahrtausende Liebesliteratur. Ingeborg Harms stellt belletristische Werke des Herbstes vor, in denen das Sehnen und Begehren im Zentrum steht. Hanna Leitgeb fasst zusammen, was jüngste Sachbuchpublikationen zur Liebe zu sagen haben. Ein uralter Text der Menschheit, der das Verhältnis der Geschlechter thematisiert, ist das Kamasutra. Die Kulturhistorikerin Claudia Schmölders würdigt eine neue Übersetzung, die ungewöhnliche Perspektiven auf das Werk ermöglicht. Dieter Thomä und Burkhard Driest haben es auch gelesen und korrespondieren über die Liebe, wie sie ist und sein sollte. Und die Schriftstellerin Sibylle Berg malt sich aus, was die Frau von heute in Sachen Liebe zu erwarten hat.

Foto: David Hancock, Sydney/Australien

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