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Ausgabe 11.04
Ausgabe 11.2004 - Inhalt
Editorial

Schwerpunkt
75 Jahre HM Enzensberger
Dichten, Denken, Forschen, Reisen. Unsere Besten und ihr Erfolgsgeheimnis. Mit Beiträgen von Norbert Bolz und Richard David Precht

Norbert Bolz
Nur keine Langeweile!
Er ist der Meister der überzeugenden Überraschung, beseelt von der heiligen Frechheit des ewig Jungen. Zum 75. Geburtstag von Hans Magnus Enzensberger 4 || Richard David Precht Ein Superstar von gestern Alexander von Humboldt � Hommage an einen Bohemien des Wissens, der die Natur noch einmal als Ganzes fassen wollte


Das Kriminal
Schönes und Gutes
Franz Schuh sieht Menschen im Zustand extremer Verletzlichkeit


Bücher des Monats
Frauke Meyer-Gosau
Irina Liebmann: Die freien Frauen
Hanna Leitgeb
Mike Davis: Die Geburt der Dritten Welt
Sigrid Löffler
Martin Amis: Yellow Dog
Werner Hofmann
Volker Gebhardt: Das Deutsche in der deutschen Kunst
Ruth Klüger
Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
Hans Leyendecker
Dieter Schröder: Augstein


Jugend forscht
Wolfgang Schneider
Vor Coolness gähnen oder vor Glück platzen
Neue Romane über die Pubertät


Die Beiseite
Navid Kermani
Franzosen, Pariser und Engländer
Über mögliche Zusammenhänge von Pornografie, Plastik und Poesie
Spionage

Ulrich Baron
Mit Schirm, Charme und Kader-Akte
«Oldfashioned Spies» feiern ihre Auferstehung


Das Journal
Rezensionen neuer Bücher von Ludwig Uhlig || Georg Forster || Adelbert von Chamisso || Otto von Kotzebue || William Gibson || Gilles Kepel || Philippe Claudel || Anke Stelling || Georg Brandes || Thomas Brussig || Marko Martin || Henning Mankell Bildbände von Stephen Shore || Amano Masanao, Julius Wiedemann (Hg.) || Philipp Keel || Claudia Fährenkemper


Portrait
Richard David Precht
Der Ginster und ich
Siegfried Kracauer � als Kultursoziologe zu Recht gefeiert, als Literat zu Unrecht vergessen


Weisse Elefanten
Frauke Meyer-Gosau
Warum ist der Teufel nicht blond?
Klaus Kordon nimmt es in seinem neuen Roman mit historischen Tabus auf und übergeht dabei leider wichtige Kinderfragen


Umschlagsmoden
Wolfgang Kemp
Wie sich die Bilder gleichen
Allerhand Gründe, weshalb Frauenhände auf Buch-Covern zu Objekten der Begierde geworden sind


Kurz & bündig
Bücher von José Saramago || Reinhold Messner || Kocku von Stuckrad || Erich Hackl || Theodor Lessing || Camille Laurens || Michael Zeuske Bildbände von Margrid Bircken; Heide Hampel || Alain Silver (Hg.)


Das Magazin
Mitten aus Wien || Kalender || Netzkarte || Leserbriefe || Jetzt als Taschenbuch || Literatur im Kino || Was liest Jutta Limbach? || Hörbücher


Impressum

Vorschau, P.S., Register
Editorial
Editorial 11.2004 Durch zehn, liebe Leserin, lieber Leser,

muss der Dichter teilbar sein, «um dem Gedächtnis der Mitwelt angenehm aufzustoßen», spöttelte einst Alfred Polgar. Das waren noch Zeiten! Man ließ einen Autor zum Siebzigsten oder Achtzigsten hochleben, und damit gut.

Schwerlich hätte Polgar sich vorstellen können, dass der Jubiläumskalender einmal zum absoluten Herrscher des literarischen Lebens avancieren würde. Verlage stellen heute ihre Programme und Feuilletons ihre Berichterstattung bereitwillig unter das Diktat der Runden Zahl: Wozu selber Titel und Themen erfinden und sich um die Wohlbegründung von Wiederentdeckungen bemühen, wenn doch Dezimalsystem und Kalender das wie von selbst besorgen? Heute genügt es schon, wenn die Lebensdaten eines Autors durch fünf teilbar sind, um ihm zu Jubiläumsartikeln im Feuilleton und zu einem Neuauflagen-Platz in den Verlagsprogrammen zu verhelfen. So richtig lebendig aber werden die Dichter und Denker erst, wenn sie 100 oder 200 Jahre tot sind.

Inzwischen überholen sich die Jubiläen schon selber. Friedrich Schiller etwa hat es zuwege gebracht, dass sein 200. Todestag am 9. Mai 2005 bereits in diesem Herbst zu Tode gefeiert wird. Und der Eichborn Verlag begeht «Zwanzig Jahre Die Andere Bibliothek 1985�2004» bereits im 19. Jahr.

Was tut Literaturen angesichts der Lage? Die Redaktion steuert ihren eigenen Kurs zwischen Wahrnehmen und Ignorieren. Hans Magnus Enzensberger ist für Literaturen auf jeden Fall ein Titelheld � auch wenn er im November Geburtstag hat. Hingegen hat die Redaktion beschlossen, in dieser November-Ausgabe den 90. Todestag von Georg Trakl, den 70. von Joachim Ringelnatz, den 45. von Hans Henny Jahnn stillschweigend zu übergehen und auch den 310. Geburtstag Voltaires, den 95. Ionescos und den 65. Margaret Atwoods nicht weiter zu kommentieren. Mit dieser wählerischen Gedenk-Politik der lesenden Mitwelt angenehm aufzustoßen hofft

Ihre Literaturen-Redaktion
Schwerpunkt - 75 Jahre HM Enzensberger
Schwerpunkt 11.2004 Was macht diesen Mann eigentlich so erfolgreich? Hans Magnus Enzensberger ist begnadeter Essayist, alleswissender Enzyklopädist, wagemutiger Verleger, versierter Medienstar und feinsinniger Lyriker zugleich, immer auf höchstem Niveau und ohne in Widerspruch mit sich selbst zu geraten. Jetzt wird er 75. Der Medienphilosoph und Literaturwissenschaftler Norbert Bolz durchleuchtet die Enzensbergersche Success Story � eine Geschichte der quicken Wenden wie des ökonomischen Erfolgs. Fehlt nur noch, dass die Marke HME als Personal Brand an der Börse notiert wird � Wie gekonnt Enzensberger die Aufmerksamkeit der Medien zu steuern versteht, hat sich gerade wieder bei der Veröffentlichung der neuen Alexander-von-Humboldt-Ausgaben in seiner Anderen Bibliothek gezeigt. Richard David Precht beäugt dieses Unterfangen mit Skepsis. Sein Humboldt-Portrait verteidigt das deutsche Universalgenie gegen dessen Verleger-Verehrer

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