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Ausgabe 11.07 - Literaturen - Literatur
Editorial
Man braucht Bücher, liebe Leserin, lieber Leser,

wenn man wirklich verstehen will, was in der Welt vorgeht. Bücher können die Köpfe wieder zurechtrücken und auf neue Gedanken bringen – erst recht, wenn es ein Buch war, das die Köpfe ursprünglich verrückt hat.
Samuel Huntingtons großem Bangemache-Opus aus dem Jahr 1993, dem Kulturweltkriegsszenario «Clash of Civilizations», wird derzeit von mehreren Seiten heftig widersprochen, seine Thesen vom unausweichlichen Kampf der Kulturen werden vielstimmig widerlegt. So lautet der Leitsatz des deutsch-bulgarischen Erzählers Ilija Trojanow und seines indischen Autorenkollegen Ranjit Hoskoté in ihrer «Kampfabsage»: «Kulturen bekämpfen sich nicht – sie fließen zusammen».
In dieser Ausgabe versammelt LITERATUREN vier internationale Autoren – «Denker von Welt» –, die in neuen Büchern ihre Entwürfe einer ganz anderen Globalisierung darlegen: die kanadische Publizistin Naomi Klein, der deutsche «Zweite Moderne»-Soziologe Ulrich Beck, die New Yorker Sozial-Ökonomin Saskia Sassen und der Philosoph Kwame Anthony Appiah, Professor an der Princeton University. Sassen und Appiah leben auch selbst, was sie beschreiben und als zukunftstaugliches Modell vorstellen – einen neuen Kosmopolitismus: Sassen als vielsprachige, auf zwei Kontinenten aufgewachsene Pendlerin zwischen London und Manhattan, Appiah als afrikanisch-englischamerikanischer Bürger dreier Kontinente.
Gemeinsam ist den vieren, dass Bangemachen bei ihnen nicht gilt. Sie entwickeln Vorschläge, wie nicht nur die G8-Regierungen, sondern auch Bürger politisch gestalten, wie nicht nur Staatsbürger, sondern auch Migranten über Rechte verfügen, wie nicht nur Nachbarn, sondern auch Fremde miteinander reden können. Ihre Arbeiten beweisen: Eine andere Welt ist möglich. Und Bücher sind dazu da, um andere Welten möglich zu machen.Niemand weiß das besser als Alberto Manguel, der berühmte Bibliomane in seiner französischen Klosterbibliothek. In diesem Heft (S. 26) verrät Manguel auch eine Überlebensweisheit für Vielleser:Was tun mit all den Büchern, die man nicht liest?

Viel Lektüre-Vergnügen wünscht
Ihre LITERATUREN-Redaktion



Ausgabe 11.2007
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