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Kein Date ohne Google …
… alles andere wäre anachronistisch. Muss man vorher alle peinlichen Spuren verwischen, die man im Internet hinterlässt?
Woran man so alles denken muss! «Der erste Eindruck zählt – und diesen bestimmt immer öfter das Internet», so warnt die Website www.deinguterruf.de. «Wenn Personalverantwortliche, Vermieter oder Partnermehr über Sie wissen wollen, werden sie online recherchieren. Manch längst vergessener Forumeintrag, manch missliebiger Kommentar eines Dritten kann Ihrem Ruf schaden oder sogar die berufliche Karriere behindern.» Wer hat nicht irgendwie irgendwo irgendwann im Netz Spuren hinterlassen,ohne dabei über deren Haltbarkeit nachgedacht zu haben? Das kann ein nach viel Rotwein in die Tastatur gehackterKommentar zur Klinsi-und-die-Bayern-Debatte sein oder eine von akutem Liebeskummer überschattete Eloge auf die Schauspielerin Nina Hoss auf einem Filmportal. Die Möglichkeiten zu spontanen Peinlichkeiten sind grenzenlos. Wohinaber nun mit all dem biografischen Abfall? www.deinguterruf.de hilft: «Besser Sie wissen,was los ist und bestimmen selbst,was das Internet über Sie weiß! » Gegen Geld gibt es Hilfe: «Sie melden sich bei deinguterruf.de an – und wir starten eine umfangreiche Suche nach persönlichen Daten Fotos und Videos im gesamten Internet. Sie erhalten einen Identitäts-Report, der alle ermittelten Fundstellen und Einträge zu Ihrer Person enthält. Danach können Sie in Ruhe auswählen, welche Einträge durch unser Bemühen aus demWeb entfernt werden sollen.» Dass der Anbieter, eine Düsseldorfer Agentur, bezahlt werden will, wenn er mit Internetseiten-Betreibern über Löschmaßnahmen verhandelt, kann man noch einsehen. Warum aber das bloße Suchen 9,95 Euro kosten soll, bleibt schleierhaft. Wer sich selbst in Foren und Blogs verewigen kann, wird auch die Kunst des Googelns beherrschen. Ist ein sauberer Lebenslauf im Netz aber wirklich wünschenswert, insbesondere unter romantischen Gesichtspunkten? In der Warnung auf www.deinguterruf.de ist ausdrücklich auch von den virtuellen «Partnern» die Rede, die vom eigenen Profil abgetörnt werden könnten. Auf dem Blog der Journalistin Mercedes Bunz (www.mercedes-bunz.de) gab es dazu vor einiger Zeit eine interessante Debatte: «Gehört es eigentlich zumguten Ton, vor dem Daten jemanden zu googeln?» Ein gewisser Mario erklärt: «Natürlich googelt man. Alles andere ist falsch verstandene 20-te-Jahrhundert- Sentimentalität (oder gar 19-tes?).Und ein Date auf sentimentaler Basis aufzubauen, ist eher unsexy.» Thomas E ist anderer Meinung: «Wenn ich mich mit interessanten Menschen des anderen Geschlechts treffe und anbandle (…), dann interessiert mich meist doch eher der Mensch aus Fleisch und Blut. Aber vielleicht bin ich da auch old-fashioned. Jedenfalls google ich erst nach ein paar Treffen.» Sie googeln alle. Ob vorher oder hinterher, ob erster oder zweiter Eindruck:Wenn sich alle von www.deinguterruf.de «suchen, schützen, entfernen» lassen würden,würde dies nicht nur das digitale Leben öder machen, sondern wohl auch das analoge.
ARAM LINTZEL
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