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Feridun Zaimoglu, liebe Leserin, lieber Leser,
ist der Sohn türkischer Arbeitsmigranten, nennt sich ganz selbstverständlich einen «deutschen Autor» und kommt LITERATUREN daher wie gerufen – als Titelheld dieser Ausgabe, deren Schwerpunkt dem Gastland der kommenden Frankfurter Buchmesse gewidmet ist: der Türkei. Zaimoglu ist in zwei Kulturen aufgewachsen, pendelt zwischen Ankara und Kiel und kann daher den Politikerstreit um die «deutsche Leitkultur» nur ironisch kommentieren – durch die Dekoration seiner KielerWohnung mit des Deutschen liebster Leit-Ikone. Für ihr Zaimoglu-Portrait ist FraukeMeyer-Gosau demAutor in seine beiden Heimatorte nachgereist, die Hauptstädte zu nennen den politischen Fakten zum Trotz nicht ganz leichtfällt. Als Buchmessen-Ehrengast weist die Türkei einige Besonderheiten auf.Nicht nur, dassmanche ihrer namhaften Schriftsteller deutsche oder sogar norwegische Autoren sind und etliche andere, darunter so prominente wie Orhan Pamuk und Elif Shafak, zu Hause politisch drangsaliert werden; wieder andere, alte Kemalisten in Opposition zur Regierung Erdogan, rufen plötzlich sogar zum Boykott der Buchmesse auf.Überhaupt begegnet die Buchkultur der TürkeiWiderständen imeigenen Land:Das Lesepublikumist klein und weitgehend auf denWestrand des Landes und das winzige Bildungsbürgertum beschränkt. Andererseits hält die neue türkische Literatur gewichtige Entdeckungen bereit: Istanbul ist ein kultureller Brennpunkt, das Land will mit mehr als 300 Autoren in Frankfurt anrücken. Seit es LITERATUREN gibt, hat die Redaktion die Literatur der Buchmessen-Gastländer stets sorgfältig geprüft und jene groß herausgestellt, deren Bedeutung dies rechtfertigt: Polen, Russland, Indien, Türkei. Landesumfang und Bevölkerungsgröße sind allerdings nicht ausschlaggebend für die Intensität und den Reichtumdes jeweiligen literarischen Lebens. Bestes Beispiel sind die boomenden kleinen Dichterinseln Irland und Island, Gastländer in Frankfurt 1996und 2011. Aber jetzt auf zu den Brücken über den Bosporus.
Viele spannende türkische Leseabenteuer wünscht
Ihre LITERATUREN-Redaktion
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