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Ausgabe 11/08 - Literaturen - Literatur
Editorial
ausgabe_11-08_edit Wir wissen längst, liebe Leserin, lieber Leser,

dass auch das Verbrechen sich am Markt orientiert. Neue Geschäftsfelder ziehen neue Arten von Kriminalität nach sich – Luftpiraterie, Giftmüllhandel, Internet-Kindesmissbrauch, Organhandel. Und wenn man erst an die Milliarden denkt, die sich auf dem heutigen Kunstmarkt verdienen lassen, dann überrascht es kaum, dass die Kunst-Kriminalität eine Wachstumsbranche ist.
Niemand hat für den Tanz um das goldene Kunst-Kalb ein schlüssigeres – und zynischeres – Inbild gefunden als der merkantile Genius und Mega-Künstler Damien Hirst. Dessen in Formaldehyd eingelegtes Stierkalb mit den vergoldeten Hufen und der Sonnenscheibe zwischen den Hörnern symbolisiert und bestätigt das, wofür es steht: den Goldrausch auf dem Kunstmarkt. Zugleich verhöhnt es ihn – mit dem sinnigen Titel «False Idol». Damien Hirst hatte auf seiner jetzt schon historischen Auktion bei Sotheby’s letzten September sein Spitzenstück als Los mit der Nummer 13 gesetzt und durfte sich freuen, dass es um den Spitzenpreis von 9,2 Millionen Pfund losgeschlagen wurde.
Warum Sie ausgerechnet in LITERATUREN eine solche Vorrede zu lesen bekommen? Weil inzwischen auch die Literatur das kommerzielle Potenzial der Kunst-Kriminalität für sich entdeckt hat. Kunstkrimis boomen; und Krimi-Autoren sind äußerst erfinderisch im Ausknobeln von Verbrechen, wie sie sich in der Wirklichkeit der zeitgenössischen Kunstszene tagtäglich ereignen. Lesen Sie ab Seite 54, wie nahe die Autoren von Kunst-Thrillern mit ihren Plots den dubiosen Machenschaften von Museumskuratoren, Galeristen, Gutachtern, Händlern, Sammlern, Auktionatoren, Hehlern und Fälschern von Kunst tatsächlich kommen. Und natürlich kein Moses weit und breit, der mit heiligem Zorn dieses falsche Idol zerschlüge.

Spannende Lesestunden wünscht Ihre LITERATUREN-Redaktion




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